Wie unser Kaffeegenuss zum Segen werden kann

Menschen dazu befähigen, sich selbst und ihren Kindern ein Leben in Würde zu gestalten, das ist das Anliegen, das uns mit unseren Partnern in Peru und Kenia verbindet. Eine ganz andere Verbindung zwischen Deutschland und diesen beiden Ländern ist Kaffee, den wir täglich trinken und der in Peru oder Kenia angebaut wird.

Abbildung 4: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=134763

Und so halten viele von uns Kaffeetrinkern schon früh am Morgen das Schicksal vieler Menschen aus Peru und Kenia in der Hand, dann nämlich wenn wir zur Kaffeetasse greifen, um mit Deutschlands Lieblingsgetränk in den Tag zu starten.

Insgesamt trinken wir Deutschen nämlich um die 12 Milliarden Liter Kaffee jährlich.* Im Durchschnitt sind das für jeden von uns rund 150 Liter oder 1200 Tassen. Das heißt 1200mal im Jahr haben wir die Chance, Menschen in Kaffee produzierenden Ländern wie Kenia und Peru ein Segen zu sein und ihnen in ihrer unantastbaren Menschenwürde gerecht zu werden.

Doch während unser Kaffeegenuss Deutschland jedes Jahr Milliardenumsätze beschert, verursacht unser Lieblingsgetränk in Produktionsländern wie Peru und Kenia allzu oft Armut, Kinderarbeit und Umweltzerstörung. Vom Preis einer Tasse konventionellen Kaffees, den wir in unserem Lieblingscafé bezahlen, erhält ein Kaffeebauer aus Amazonien oder eine Kaffeebäuerin aus dem kenianischen Hochland maximal 1 % und vom Preis der Packung Kaffee im Supermarkt landen gerade einmal 6 % beim Bauern. Wenn man dann bedenkt, dass ein indianischer Bauer im Landkreis Villa Rica (Peru) gerade einmal ein oder zwei Hektar Kaffeepflanzungen im Wald bewirtschaften kann, ist es nicht verwunderlich, dass das erwirtschaftete Einkommen häufig so gering ist, dass die Bauern noch nicht einmal die Existenz ihrer Familien sichern können.

Kaffee – Segen oder Fluch?

Weil wir finden, dass das viel zu wenig ist und wir in unseren Einsatzgebieten in Peru und Kenia die schlimmen Folgen von Deutschlands Konsumverhalten täglich mit eigenen Augen sehen, möchten wir hier ein paar Informationen rund um Kaffeeanbau, -handel und -konsum zusammenfassen.

Abbildung 1:By Bamse - self-made using data at w:List of countries by coffee consumption per capita, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2044673

Der Kaffee und die Menschen

Weltweit sind ca. 100 Mio. Menschen vom Kaffeeanbau abhängig. Für viele der Bauern reicht der Erlös aber nicht, um sich und die eigene Familie zu ernähren. Die Landarbeiter haben keine soziale Absicherung und riskieren beim Pestizideinsatz ihre Gesundheit. Da ihre Kinder oft, anstatt zur Schule zu gehen, selber im Kaffeeanbau arbeiten, haben sie keine Perspektive, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. Laut www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de sind in Kenia z.B. 60% der Kaffeearbeiter Kinder. In zwei kleinen Dschungeldörfern, in denen wir in Peru aktiv sind und wo alle davon träumen, sich mit fairem Kaffee aus der Armut zu befreien, starben innerhalb weniger Monate vier indigene Kaffeebauern, die wir persönlich gut kannten, durch Hepatitis und Epilepsie. Sie hatten einfach kein Geld für ärztliche Behandlung, weil ihr Einkommen, das sie mit skandalös billigem Kaffee erwirtschaften konnten, einfach nicht ausreichte, um überleben zu können.

Justo und Angélica starben als Kaffeebauern an den Folgen ihrer Armut.

Eines der vier Todesopfer war Angélica, die Schwester eines Dorfchefs, der daraufhin aus Trauer sein Amt niederlegte. Der neue Chef ist korrupt und verkauft das Dorf jetzt Stück für Stück an Holzfäller und Landräuber. Ein anderer Kaffeebauer, der an eigentlich behandelbaren Folgen einer Hepatitiserkrankung starb, weil er sich keinen Arztbesuch leisten konnte, ist Justo. Justos Kinder hätten heute noch einen Vater, wenn die Familie genug verdienen könnte, um sich z.B. impfen zulassen. Wie viel Leid könnten wir ganz leicht schon am Frühstückstisch vermeiden helfen!

Der Kaffee und die Umwelt

Kaffee wird hauptsächlich dort angebaut, wo ursprünglich Regenwald wuchs, der mancherorts für großflächige Monokulturen zerstört wurde. Die im konventionellen Kaffeeanbau verwendeten Pestizide belasten Boden und Wasser stark. Bei den Umweltfolgen von Kaffee unterscheiden sich die zwei hauptsächlich angebauten Sorten stark.

Die Robusta-Sorte ist sehr viel problematischer als die Arabica-Sorte. Denn Erstere wird meist in riesigen Monokulturen angebaut, sodass die Artenvielfalt zusammenbricht. Das wiederum macht die Plantagen anfälliger für Schädlinge und provoziert den stärkeren Einsatz von Pestiziden, deren Einsatz wiederum die Gesundheit der Landbevölkerung beeinträchtigt.

Arabica Kaffee hingegen wird hauptsächlich im Halbschatten, also unter so genannten Schattenbäumen angebaut, welche nicht nur Schatten spenden, sondern oftmals auch Früchte oder Holz zur Vermarktung liefern. Diese Art des Kaffeeanbaus ist im Vergleich zur Robusta-Sorte wesentlich besser für die Artenvielfalt und dadurch weniger anfällig für Schädlingsbefall. Außerdem ahmt nachhaltiger Kaffeeanbau mit Schattenbäumen den Lebensraum Wald nach und schützt vor Erosion, was in den zerklüfteten Bergregenwäldern der Anden besonders wichtig ist. Die Pflanzungen bieten Lebensraum für Arten, die sonst im Dschungel vorkommen, wie z.B. Orchideen und Kolibris. Deshalb fördert Chance e.V. nur ökologisch und sozial verträglichen Kaffeeanbau in Peru.

Abbildung 3: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=117185

Kaffee und Klimawandel

Schon heute berichten Kaffeebauern in Peru und Kenia, dass ihre Pflanzungen in tiefer gelegenen Lagen zusammenbrechen. Der Klimawandel führt mit zunehmender Trockenheit, steigenden Temperaturen, aggressiver werdender UV-Strahlung und sporadischen Starkregenvorkommnissen für die Kaffeesträucher zu immer größerem Stress, während die Wildform des Kaffees in den wenigen verbliebenen Bergwäldern Äthiopiens wegen Abholzung und Klimawandel vom Aussterben bedroht ist. Der Klimawandel wird Millionen von Kaffeebauern voraussichtlich ihrer ohnehin mageren Einkommensquelle berauben und Kaffeeanbaugebiete vielerorts großflächig veröden lassen. Wovon sollen diese Menschen dann leben?

Kaffee und Wasser

"Der weltweite Kaffeekonsum erfordert 120 Mrd. m³ Wasser, das sind 2 % des Wasserbedarfs für Feldfrüchte überhaupt. Diese Menge entspricht dem 1,5 fachen jährlichen Rheinabfluss. Kaffee steht mit 6 % Anteil mit an der Spitze derjenigen Güter, die den indirekten globalen Wasserhandel ausmachen. Die Herstellung von 1 kg Röstkaffee erfordert 21.000 l Wasser. Bei 7 g pro Tasse ergeben sich140 l Wasserverbrauch für jede Tasse Kaffee, die wir hier trinken. Diese Menge übersteigt bereits den durchschnittlichen direkten Trinkwassergebrauch von 125 l pro Tag und Person in Deutschland." Kaffeehandel bedeutet also auch, dass teils sehr trockene Länder wie Kenia und Peru ihr kostbares Wasser in Form von Kaffeebohnen nach Deutschland exportieren – jeden Tag.**

Kaffee und Abfall

Auch bei der Zubereitung und dem Genuss des Kaffees gibt es bessere und schlechtere Möglichkeiten: Die größten Probleme treten durch Einwegbecher (Coffee to go) und Alukapseln auf. Allein wir Deutsche verbrauchen pro Jahr 2,8 Mrd. Einwegbecher, übereinander gestellt würde dies einen 300.000 km hohen Turm ergeben. Jeder von uns verbraucht im Jahr 34 Einwegbecher, das sind pro Stunde 320.000 Stück. Für diese Pappbecher verbrauchen wir 29.000 Tonnen Papier und 64.000 Tonnen Holz. D.h. für unseren Coffee to go werden jedes Jahr 43.000 Bäume gefällt. Dazu kommen tausende Tonnen Polyethylen und Polystyrol für die Deckel, was in etwa 22.000 Tonnen Rohöl entspricht. Bis zu 83.000 Tonnen CO2 werden pro Jahr allein in Deutschland für die Herstellung von Einwegbechern in die Atmosphäre abgegeben. Die zur Herstellung und Entsorgung der Pappbecher eingesetzte Energie würde reichen, um mehrere zehntausend deutsche Haushalte mit Strom zu versorgen.

Zu diesem immensen Problem kommen 20.000 Tonnen deutsche Kaffeekapseln, mit denen 2000 große Müllaster beladen werden könnten. Dabei kommen auf zwei bis drei Gramm Verpackung gerade einmal sechs bis sieben Gramm Kaffee. D.h. im Umkehrschluss, dass wir zwar meinen, kein Geld für Fairtrade- oder Biokaffee zu haben, gleichzeitig aber Geld ausgeben für teure Alukapseln, die ein Drittel des Gewichts unseres gekauften Kaffees ausmachen.

Für die Gewinnung des Aluminiums der Kapseln werden vielerorts Waldgebiete zerstört, hohe Energiemengen benötigt und pro Tonne gewonnenen Aluminiums eine bis sechs Tonnen gefährlicher Abfallprodukte produziert. Diese werden laut www.regenwald.org in den Abbauländern stellenweise in großen Seen gelagert oder einfach in Flüsse abgeleitet. Vor wenigen Jahren kam es so in Brasilien zu einer riesigen Katastrophe, die ganze Landstriche verwüstete und viele Menschenleben kostete. Die in Armut lebenden Betroffenen wurden bis heute nicht entschädigt.

Was wir tun können

Kaufen Sie Kaffee mit Fairtrade und Bio-Siegel!
Diese garantieren soziale und ökologische Mindeststandards, deren Einhaltung durch unabhängige Kontrolleure geprüft wird. Die Bauern erhalten stabile und garantierte Mindestpreise, welche über dem Weltmarktniveau liegen und mindestens das Existenzminimum sichern***. Ein Bio-Siegel garantiert den Verzicht auf chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel und meistens handelt es sich hierbei um die unproblematischeren Arabica-Bohnen.

Werden Sie Multiplikator
Setzen Sie sich in Ihrer Kirchengemeinde (oder bei Ihrem Arbeitgeber) dafür ein, dass auch dort endlich beschlossen wird, nur Kaffee mit Fairtrade- und Biosiegel zu kaufen und auf Wegwerfbecher zu verzichten. Ist es etwa ratsam, im Gottesdienst von Gottes Liebe für die Menschen zu sprechen und nach dem Gottesdienst Produkte anzubieten, die erwiesenermaßen schädlich für Mensch und Umwelt sind, ja viele Menschen sogar ihrer Würde berauben? Ist also nicht auch in unseren Kirchen und Gemeinden ein Umdenken gefragt?

Verwenden Sie statt Einwegbechern Mehrwegbecher.
Aktuell hat sich noch keine praktische und ökologisch sinnvolle Methode für Coffee to go etabliert. Deshalb wäre es sicherlich am besten, auf Coffee to go zu verzichten, sich stattdessen die Zeit zu nehmen, den Kaffee in Ruhe und sitzend zu genießen. Wenn es doch Coffee to go sein soll, nehmen sie sich den Kaffee doch in einer Thermotasse mit. Eine Alternative zu Kaffeekapseln aus Aluminium oder Plastik sind Mehrwegkapseln, z.B. aus Edelstahl. Auf www.regenwald.org ist folgendes Ranking für die schonendste Art der Kaffeezubereitung zu finden:
1. Am besten schneidet die Durchdrückkanne, auch French Press genannt, ab. Allerdings nur, wenn nicht mehr Wasser gekocht als Kaffee getrunken wird.
2. Die italienische Espressomaschine für die Herdplatte landet auf Platz zwei. Allerdings nur, wenn die Platte nicht zu groß ist.
3. Der Kaffeevollautomat eignet sich für Vieltrinker und Büros, sollte aber ausgeschaltet werden, sobald er nicht gebraucht wird.

Das Kaffee-Fazit

Das Produkt Kaffee ist in Deutschland quasi flächendeckend in nachhaltiger Version zu bekommen. Das Angebot von Bio-Fairtrade-Kaffee ermöglicht es uns allen, unseren Kaffeegenuss der armen Bevölkerung in den Produktionsländern nicht zum Verhängnis werden zu lassen.

Ganz im Gegenteil können wir durch den Erwerb von Kaffee besonders aus Welt- und Bioläden stellenweise sogar sinnvolle Entwicklungsprojekte unterstützen und schlimme Schicksale wie die von Justos Kindern und Angélicas Dorfgemeinschaft vermeiden helfen.

Das Schicksal dieser Menschen und ihres Lebensraumes hängt also auch von unserer täglichen Kaffee-Entscheidung ab.

Quellen und Hinweise:
* Das Trinken von Leitungswasser ist hier nicht berücksichtigt
** http://virtuelles-wasser.de/ka...
*** Trotz gleicher Zertifizierung von Produkten kann es erhebliche Unterschiede in Bezug auf die im Artikel angesprochenen sozialen und ökologischen Aspekte bei der Produktion geben. Die Arbeitsbedingungen sind je nach Land und Sektor unterschiedlich und es gibt Unternehmen, welche nur einen Bruchteil ihrer Produktion zertifizieren. Wir empfehlen zu Produkten zu greifen, die sowohl ein Bio, als auch ein Fairtrade-Siegel besitzen und deren Fairtrade-Anteil möglichst hoch und deren Herstellung möglichst nachvollziehbar ist. Justo und Angélica starben als Kaffeebauern an den Folgen ihrer Armut.


Was Sie daheim tun können

Consumer Missions

„Was würde Jesus kaufen?“ – diese Frage steht im Zentrum der Idee „Consumer Missions“, die wir bei Chance e.V. entwickelt haben.

Mehr erfahren >

Bäume für Kenia statt Blumen für Europa

Über die unschönen Folgen hübscher Blumen in Kenia.

Wie Blumen wirklich Freude bringen >

Freundesbrief abbonnieren

Lassen Sie sich ungefähr einmal monatlich durch unseren kostenfreien Freundesbrief „Chance-Aktuell“ informieren.

Zweimal im Jahr versenden wir einen längeren Freundesbrief per Post.
Schreiben Sie uns hierfür eine E-Mail mit Ihrer Anschrift. >

Spendenkonto

Chance e.V.
Bank für Kirche und Diakonie
IBAN: DE92 3506 0190 1014 4450 10
BIC: GENO DE D1 DKD

Alle Spendenmöglichkeiten ansehen >



© Chance e.V.

Freundesbrief abonnieren

Bestellen Sie hier unseren Freundesbrief als Newsletter per E-Mail oder per Post >


Spendenkonto

Chance e.V.
Bank für Kirche und Diakonie
IBAN: DE92 3506 0190 1014 4450 10
BIC: GENO DE D1 DKD

Alle Spendenmöglichkeiten ansehen >


© Chance e.V