Held/in des Monats

Unsere Projekte geben Chancen und verändern das Leben von Menschen. Persönlich und unmittelbar. Diesen Menschen geben wir eine Stimme.

April 2022
Gerónimo

Der „Mose“ aus Amazonien

Weitsichtig, mutig, liebevoll, weise und voller Einsatz für sein Dorf und die Menschen – das ist Gerónimo. Als er erfuhr, dass seine Vorfahren in den Wäldern jenseits der Hügel von Yuncullmaz gelebt hatten, bevor sie von dort vertrieben worden waren, fasste er einen Entschluss: Er wollte Gerechtigkeit für sein Volk und im Urwald wieder ein Dorf gründen. Also zog er mit seiner Frau Dina, seinen Kindern und 13 Familien aus ins „gelobte Land“ der Vorfahren.

Unter Jerónimos Führung entstand das neue Dorf an alter Stelle und die Yanesha kehrten in ihre Heimat zurück. Gerónimo gehört zu denen, die die eigene Kultur und Identität nicht vergessen haben. Deshalb baute er nicht irgendein Dorf, sondern ein echtes Yanesha-Dorf. Ohne Hilfe von außen, unter großen Entbehrungen und in bitterer Armut erschufen die Familien ihr Dorf im Regenwald ganz ohne Wellblech und Beton. Stattdessen nutzten sie, wie die Yanesha es früher immer getan haben, Holz und Palmblätter, denn sie wollten wieder stolz auf ihre Wurzeln sein und das auch zeigen. Mehrmals wurde Gerónimo zum Dorfchef gewählt. Die Dorfbewohner nannten ihre neue Heimat dann auch San Gerónimo, aus Dankbarkeit und Achtung für den weisen Mann aus dem Regenwald. Daneben half Gerónimo beim Übersetzen der Bibel in die Sprache der Yanesha, denn er wollte, dass seine Muttersprache nicht verloren geht. Er bringt die Yanesha-Sprache auch den Kindern bei, denn nur mit eigener Identität kann sein Dorf auf Dauer überleben. Gerónimo geht noch immer mit gutem Vorbild voran: Er war der erste Imker im Dorf, weil er weiß, dass die Dorfbewohner ihr Einkommen so verbessern können, ohne den Regenwald zu zerstören. Gerónimo nimmt aber nicht nur an unserem Imkereiprojekt teil. Er hat auch die Dorfbaumschule angelegt, die unser Aufforstungsprogramm jedes Jahr mit Tausenden Setzlingen versorgt und den Dorfbewohnern neue Einkommensquellen erschließt. Schließlich koordiniert Gerónimo die Arbeitsgruppe, die gemeinsam mit unseren Expert/innen eine eigene Dorfsatzung ausarbeitet, die als Verfassung das Zusammenleben regeln und das Überleben des Dorfes garantieren soll. Als die Dorfgemeinschaft nach jahrelangem Kampf endlich offiziell vom Staat anerkannt wurde, war das für Gerónimo ein unvergesslicher Tag. Tief bewegt hielt er die Anerkennungsurkunde mit Tränen in den Augen und fest zusammengepressten Lippen wortlos in den Händen. Jeden Tag betet er, dass seine Kinder und Enkel in seinem Dorf eine gute Lebensperspektive finden können.

Ob als Großvater, Vater, Ehemann, Dorfchef oder Pastor – Gerónimo ist ein Vorbild für viele, nicht nur in Peru …  


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